Chronik

Über 190 Jahre Peter Hüssen Nachfolger


Man schreibt das Jahr 1818. Wer denkt nicht dabei an die Zeit der Postkutschen, Segelschiffe, die Zeit ohne Telefon, FAX, E-Mails, Handys und Autos?

Wie die Kölnische Zeitung am 28. März 1819 vermeldet, sind Gasstraßenbeleuchtungen verwerflich und als Eingriff in die natürliche Ordnung des Alltagslebens anzusehen; zudem seien dadurch die guten Sitten gefährdet. Genau in dieser Zeit gründet Peter Hüssen einen Betrieb in Wermelskirchen. Dieser Betrieb befasste sich mit dem Vertrieb von Farben und Giftstoffen sowie ausländischen Gewürzen und Teesorten. Peter Hüssen, abstammend aus einer wohlhabenden Familie, mit Grundbesitz und Ländereien.Schon bald verschaffte er sich mit dem neuen Unternehmen Ansehen und einen guten Ruf. Finanzielle Transaktionen für das Unternehmen, vermittelte damals ein Frankfurter Börsenhaus und Kuriere wurden als Überbringer von Geld und Anweisungen eingesetzt. Noch heute befinden sich die damaligen Geschäftsbücher im Besitz des Unternehmens. Nach dem Tode des Firmengründers, Peter Hüssen sen. übernahm sein Sohn Peter das Geschäft. Auch er war ein tüchtiger Kaufmann, der jedoch bereits 1857 an einer Lungenentzündung verstarb.

So kam es, dass seine Schwester Cornelia, die bereits 1848 den Baumeister Ferdinand Stange ehelichte und  zwischenzeitlich nach Amerika auswanderte, zusammen mit ihrem Ehemann nach Deutschland zurückkehrte. Nach dem Tod seines Schwagers führte Ferdinand Stange das Familienunternehmen unter dem Namen "Peter Hüssen Nachfolger, Inh. Ferdinand Stange" weiter. Sehr schnell war er in Mühlheim am Rhein ein angesehener Mann. Trotz des arbeitsintensiven Alltags war Ferdinand Stange Stadtverordneter, in juristischen Fragen sehr bewandert und wurde hier oft zu Rate gezogen. Auch durch seine umfangreichen Sprachkenntnisse wurde er stets konsultiert. Die Kunst und die Wissenschaften waren seine Leidenschaft. Bereits damals war er Mitglied des kölnischen Kunstvereins1889 übernahm sein Sohn Ferdinand nach dem Tode seines Vaters den Betrieb.

Durch die Industrialisierung kamen Konkurrenzkämpfe auf und machten dem gutmütigen Ferdinand Stange jun. sehr zu schaffen. Der 1. Weltkrieg brachte ihn um sein Vermögen, denn er zeichnete stets neue Kriegsanleihen. Sein einziger Sohn, Peter Ferdinand, 1893 geboren, absolvierte zwischenzeitlich eine Ausbildung bei dem Branchennahen und hoch angesehenen Unternehmen Tillmann & Co in Köln. Mit dem fortschrittlichen Unternehmergeist seines Sohnes, zeigte sich Ferdinand Stange jedoch wenig einverstanden und so entschloss sich Peter Ferdinand nach der Ausbildung bei Tillmann & Co, zu einem Chemiestudium in Dresden. Zum Ende des Krieges wurde Peter Ferdinand Stange zunächst als Chemiker bei den Torpedowerken in Kiel dienstverpflichtet. Als er als junger Offizier zurück nach Hause kam, lag das Familienunternehmen völlig am Boden.

Er hatte den Mut, gepaart mit Fleiß, Ausdauer und nimmermüden persönlichen Einsatz, allen Schwierigkeiten zu trotzen.
So ließen die Erfolge nicht lange auf sich warten; doch schon bald kündigten sich die Verheerung der Inflation an.
Der Stand des Dollars zeigte die Fieberkurve der deutschen Wirtschaft, Peter Ferdinand Stange hielt jedoch verbissen das Steuer fest in seinen Händen. So gelang es ihm mit Hilfe seiner kaufmännischen, wie auch fachlichen Kenntnissen seiner Kundschaft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und das Unternehmen zu erhalten. Selbst die Weltwirtschaftkrise 1926 - 1929 umschiffte er mit Herz und viel Verstand.

1934 übernahm Peter Ferdinand Stange im Bezirk Köln - Aachen den Alleinvertrieb für den von Dr. Dr. Spausel für die Firma Kalle J.G. Farben Konzern in Wiesbaden erfundenen Cellulose-Leim mit Namen Glutolin und Glutofix. Weiter vertrieb er die Produkte Durablanc und Bakola des Baryth-Konzerns. Durch Vorträge bei Innungsversammlungen in den firmeneigenen Räumen konnte er den Widerstand der Malermeister gegen das neue Produkt brechen und wer kann sich heute noch eine Tapezierung ohne Kleister vorstellen?

Peter Ferdinand Stange war ein sehr innovativ denkender Mensch und so experimentierte er, um eine Fassadenfarbe auf Wasserbasis herstellen zu können. 1938/39 kamen die ersten Fässer mit dem Bindemittel "Mowilith" von den Farbenwerken Hoechst aus Frankfurt an. Versuche an den eigenen Häusern wurden erfolgreich abgeschlossen. Doch es kam wieder anders als geplant. Der 2. Weltkrieg brach aus. Durch Bomben wurden die Wohn- und Geschäftshäuser schwer getroffen. Peter Ferdinand Stange hatte jedoch tatkräftige Unterstützung an seiner Seite. Frau Änne Schley, geb. Gnest, trat am 13.April 1939 nach Absolvierung der Handelsschule, in die Firma ein. Sie wurde als Groß- und Außenhandelskauffrau ausgebildet.
Beiden gelang es buchstäblich in letzter Minute, Lager und Geschäftsräume den Flammen zu entreißen und vor der Vernichtung zu bewahren. Trotz Rauchvergiftung wurde ausgeharrt. Kriegswirren und Plünderungen wurden mit höchstem persönlichem Einsatz abgewehrt. Es fehlte nicht an Augenblicken größter Lebensgefahr. Wieder wurde in den Nachkriegsjahren der Betrieb und der Leitung von Peter Ferdinand Stange und Änne Schley mit reger Geschäftigkeit aufgebaut. Durch die gute wirtschaftliche Lage und mit dem begeisterten Einsatz der Mitarbeiter, erlebte die Firma wieder einen großen Aufschwung. Der Schwerpunkt lag bei der Fabrikation von Dispersions- und Distemperfarben sowie Lacken.

1952 trat Peter Schley, der durch seine kaufmännische Ausbildung und dem Besuch der Farbenschule über ausgezeichnete Kenntnisse auf dem Gebiet verfügte, in das Unternehmen ein.

1960 verstarb Peter Ferdinand Stange. Die Leitung lag nun in den Händen von Änne und Peter Schley. Peter Schley führte den Verkauf und die Fabrikation. Als hervorragender Farbenfachmann, gepaart mit Energie und unermüdlichem Fleiß, seiner Freundlichkeit und dem guten Umgang mit den Mitarbeitern, gelang ein stetiger Aufschwung. Änne Schley oblag die kaufmännische Leitung.

1979 gründeten Änne und Peter Schley die Firma "Peter Hüssen Nachfolger Farben GmbH", neben der Besitzgesellschaft "Peter Hüssen Nachfolger, Ihn. Änne Schley". Frau Schley wurde beherrschende Gesellschafterin und Geschäftsführerin, Herr Schley Gesellschafter und Geschäftsführer. Zwischenzeitlich, am 02. Juli 1977 trat Jürgen Gnest, der Neffe von Änne Schley, nach abgeschlossenem Chemiestudium, in die Firma ein.

1984 verstarb Peter Schley  und die Geschäftsanteile wurden von Jürgen Gnest erworben Somit wurden er neben Frau Schley geschäftsführender Gesellschafter.  Von 1994 bis 1998 war Jürgen Gnest erster Vorsitzender des VILF (Verband der Ingenieure des Lack- und Farben Verband) und ist seit 2014 Ehrenmitglied des Verbandes. Am 02. April 2005 übernimmt Jürgen Gnest die Geschäftsanteile von Frau Änne Schley und ist seitdem alleiniger Gesellschafter.  Im Jahr 2009 gelang Jürgen Gnest  die Kooperation mit der Firma REMONDIS Production GmbH  und somit die Herstellung von absolut schadstofffreien Dispersionsfarben mit dem Rohstoff CASUL®. 2013 erfolgte der Ausbau der Produktionsanlagen in Köln.

Die Firma "Peter Hüssen Nachfolger Farben GmbH" ist ein Unternehmen mit Tradition und steht für Produkterweiterungen mit innovativen, schadstofffreien Spezialprodukten für Industrie und Fachhandel.  Ein Unternehmen, dass sich trotz Globalisierung und mit Hilfe aller Mitarbeiter auf dem Markt behauptet und expandiert. Die Tradition unseres langjährigen Handelshauses sind Wegweiser und Verpflichtung zugleich.